Ratgeber › Versicherung schickt Gutachter
Kosten & RechtLesedauer: ca. 5 Minuten · Stand: Oktober 2026 · carproof Sachverständige, Düsseldorf
Nach einem unverschuldeten Unfall meldet sich die gegnerische Versicherung oft erstaunlich schnell: Man wolle „unkompliziert helfen“ und schicke „kostenlos“ einen eigenen Gutachter vorbei. Ein Gutachter von der Versicherung klingt nach Service. Er bedeutet aber auch, dass die Seite, die am Ende zahlen muss, die Schadenhöhe ermitteln lässt. In der Regel gilt: Bei einem Unfall, an dem du keine Schuld hast, wählst du den Sachverständigen — nicht die Gegenseite. Hier erfährst du, warum das so ist, wie du auf den Anruf reagierst und wann es anders läuft.
In der Regel nicht. Wer einen Schaden erleidet, den ein anderer verursacht hat, muss so gestellt werden, als wäre der Unfall nie passiert. So steht es in § 249 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) — der zentralen Vorschrift für Schadensersatz in Deutschland. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH), also des obersten deutschen Zivilgerichts, gehört dazu auch das Recht, einen eigenen, unabhängigen Kfz-Sachverständigen zu beauftragen. Eine Vorschrift, die das wörtlich so anordnet, gibt es nicht: Das Wahlrecht folgt aus dem Schadensersatzrecht und den Urteilen dazu.
Die Kosten des Gutachtens gehören selbst zu deinem Schaden. Bei unverschuldetem Unfall zahlt in aller Regel die gegnerische Versicherung das Gutachten. Eine Erlaubnis, Rückfrage oder Genehmigung der Versicherung brauchst du dafür nicht. Bei Mitschuld wird anteilig erstattet, bei sehr kleinen Schäden unter Umständen gar nicht — mehr dazu in Abschnitt 4.
In der Regel nicht. Beim unverschuldeten Unfall rechnet der Sachverständige sein Honorar meist direkt mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung ab. Üblich ist dafür eine sogenannte Abtretungserklärung, mit der du deinen Erstattungsanspruch für die Gutachterkosten an den Sachverständigen weitergibst. So läuft es auch bei carproof: Bei klarer Haftung des Unfallgegners musst du nichts vorstrecken. Eines gehört aber dazu — die Abtretung nimmt dir die Rechnung nicht ab, sie schickt sie nur zuerst an die Versicherung. Zahlt die nicht, nur anteilig oder kürzt sie das Honorar, gehen wir dem nach. Bleibt am Ende ein Rest offen, bleibt er bei dir — und du hörst das von uns, nicht von einem Mahnschreiben. Wann das passieren kann, steht unter Preise & Konditionen.
Viele Versicherer rufen kurz nach der Schadenmeldung an und bieten an, „alles zu übernehmen“: Ein hauseigener Prüfdienst oder ein von der Versicherung beauftragter Gutachter komme vorbei, das gehe schneller und koste dich nichts. Manchmal wird auch nur um eine „kurze Besichtigung“ gebeten oder ein Termin einfach angekündigt, als wäre er Pflicht.
Dahinter steckt ein nachvollziehbares Geschäftsinteresse: Wer die Schadenermittlung steuert, beeinflusst die Schadenhöhe. Die Versicherung zahlt am Ende auf Grundlage des Gutachtens — je niedriger die Bewertung, desto günstiger für sie. Ein Anruf der Versicherung ändert nichts an deinem Wahlrecht. Du darfst freundlich ablehnen und mitteilen, dass du einen eigenen Sachverständigen beauftragst.
Stell dir vor, du verkaufst dein Auto und der Käufer sagt: „Den Preis legt mein Bruder fest.“ So ähnlich ist es, wenn der Gutachter von der Versicherung des Unfallverursachers beauftragt und bezahlt wird: Er hat einen Auftraggeber, und das bist nicht du. Das heißt nicht, dass jeder Versicherungsgutachter falsch rechnet. Aber an diesen Stellen können Bewertungen auseinandergehen:
Die Zahlen sind frei gewählt und zeigen nur, wie sich die drei Punkte summieren können — es ist kein echter Fall. Ein Heckschaden an einem drei Jahre alten Kompaktwagen: Eine knappe Bewertung setzt 4.200 € Reparaturkosten an, keine Wertminderung, vier Tage Ausfall. Ein unabhängiges Gutachten kommt mit den Stundensätzen der Markenwerkstatt auf 5.100 € Reparaturkosten, 500 € Wertminderung und sieben Tage Nutzungsausfall (bei 43 € pro Tag rund 300 €). Unterschied in diesem Beispiel: über 1.500 € — bei ein und demselben Schaden.
Wenn die gegnerische Versicherung anruft oder schreibt, helfen vier einfache Regeln:
Wie das Ganze beim unverschuldeten Unfall Schritt für Schritt abläuft, von der Schadenmeldung bis zur Abrechnung mit der gegnerischen Versicherung: Unfall unverschuldet: so läuft dein Gutachten.
Am Telefon reicht ein freundlicher Satz, zum Beispiel: „Danke für das Angebot. Ich lasse den Schaden von einem Sachverständigen meiner Wahl begutachten und schicke Ihnen das Gutachten zu.“ Mehr musst du in der Regel nicht erklären. Geht es um die Schuldfrage oder um Fristen in deinem konkreten Fall, ist eine Kanzlei für Verkehrsrecht der richtige Ansprechpartner.
Mit der carproof-App meldest du deinen Schaden in wenigen Minuten: Fotos nach Anleitung aufnehmen, Fahrzeugschein scannen, Termin bestätigen. Ein unabhängiger Sachverständiger kommt zu dir — in ganz NRW, den Termin gibt es in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Das fertige Gutachten liegt in der Regel innerhalb von zwei Werktagen nach der Begutachtung als PDF in der App.
Bei einem Bagatellschaden darf die Versicherung dich in der Regel auf einen Kostenvoranschlag der Werkstatt verweisen, ein volles Gutachten zahlt sie dann oft nicht. Eine feste Grenze gibt es nicht; häufig genannt werden etwa 750 bis 1.000 Euro, die Gerichte ziehen die Linie aber unterschiedlich. Von außen sieht man die Schadenhöhe oft nicht — hinter einem zerkratzten Stoßfänger können beschädigte Sensoren oder Halterungen stecken. Mehr dazu: Die Bagatellgrenze: ab wann steht dir ein Gutachten zu?
Auch mit Mitschuld darfst du einen eigenen Gutachter beauftragen. Die gegnerische Versicherung übernimmt die Gutachterkosten dann in der Regel anteilig nach der Haftungsquote: Trägst du zum Beispiel 30 Prozent Mitschuld, werden 70 Prozent erstattet. Gerade bei strittiger Schuldfrage hält ein unabhängiges Gutachten den Schaden neutral fest.
Anders liegt es, wenn deine eigene Kaskoversicherung zahlt — etwa beim selbst verschuldeten Unfall, bei Hagel oder Wildschaden. Dann bist du nicht Geschädigter eines anderen, sondern Vertragspartner deiner Versicherung, und es gelten deine Versicherungsbedingungen. In der Regel entscheidet dort die Versicherung, wer den Schaden besichtigt. Die freie Gutachterwahl gilt also für den Haftpflichtschaden beim Unfallgegner, nicht für den Kaskofall. Wie du dort vorgehst, wenn dir die Bewertung zu niedrig erscheint: Das Gutachten im Kaskofall. Ein eigenes Gutachten bezahlt hier keine gegnerische Versicherung; den Festpreis nennen wir dir auf Anfrage vorab (Preise & Konditionen).
In der Regel nicht. Selbst wenn die Gegenseite dein Auto bereits besichtigt hat, darfst du zusätzlich einen eigenen Sachverständigen beauftragen. Dein Wahlrecht verbrauchst du dadurch nicht. Wichtig ist nur, dass das Auto noch im Unfallzustand ist, damit der Schaden vollständig dokumentiert werden kann.
Die Ablehnung des gegnerischen Gutachters ist in der Regel dein gutes Recht und darf dir nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Kürzt die Versicherung trotzdem einzelne Positionen, lohnt sich der Gang zu einer Kanzlei für Verkehrsrecht — beim unverschuldeten Unfall trägt die gegnerische Versicherung in aller Regel auch diese Kosten. Ob das in deinem Fall so ist, kommt auf den Einzelfall an.
Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein über die freie Gutachterwahl nach einem Verkehrsunfall und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei rechtlichen Fragen zu deinem konkreten Unfall wende dich an eine Kanzlei für Verkehrsrecht.
Melde deinen Schaden in wenigen Minuten. Ein unabhängiger Sachverständiger von carproof kommt zu dir, in ganz NRW — Termin in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Bei unverschuldetem Unfall zahlt in aller Regel die gegnerische Versicherung das Gutachten.
Oder ruf uns an: +49 211 15852-312